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"In der Tat [...] ist die Lage sehr vieler Familien in verschiedenen Ländern mit zahlreichen Problemen verbunden, ja oft genug ausgesprochen belastet:

  • Institutionen und Gesetze mißachten willkürlich die unverletzlichen Rechte der Familie, ja der menschlichen Person, und
  • die Gesellschaft geht, anstatt sich in den Dienst der Familie zu stellen, gegen deren Werte und Grundbedürfnisse gewaltsam vor.

Die Familie, die im Plane Gottes die erste Lebenszelle der Gesellschaft und noch vor dem Staat und jeder anderen Gemeinschaft Träger von Rechten und Pflichten ist, wird so zum Opfer einer Gesellschaft, deren Hilfsmaßnahmen oft schleppend oder zu spät kommen, und die ihr gegenüber sogar offenkundige Ungerechtigkeiten begeht."
Papst Johannes Paul II: Apostolisches Schreiben Familiaris Consorto vom 22. November 1981, Nr. 46

Die gravierendsten Probleme der Familien sind mit dem Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft entstanden. Diese Übergangs geschah in Deutschland im 19. Jahrhundert. Damals haben sich die Rahmenbedingungen für Eltern massiv geändert. Die Folgen sind bis heute nicht zufriedenstellen aufgearbeitet worden.

Verlust des materiellen Nutzens an den KindernKindererziehung fordert den Eltern Aufwendungen für die Kinder ab (Bekleidung, Ernährung, Wohnraum). Außerdem muss die Erwerbstätigkeit eingeschränkt werden, um Zeit für die Kindererziehung zu haben. Diesem Aufwand stand in der Agrargesellschaft recht bald die Mitarbeit der Kinder im bäuerlichen Familienbetrieb gegenüber. Zudem fungierten Kindern als Alterssicherung ihrer Eltern. Diese Kompensationen für den elterlichen Aufwand ging mit dem Beginn der Agrargesellschaft verloren. Sofort fiel die Zahl der Kinder: Der Jahrgang 1850 hatte im Durchschnitt noch knapp 5 Kinder, der Jahrgang 1900 nur noch 2. Der letzte Jahrgang, der in Deutschland eine ausrechende Zahl von Kindern aufzog, war der Jahrgang 1880 (mit damals 2,4 Kindern pro Frau).
 
Zerfall der räumlichen Einheit von Leben, Erwerben, Bilden und ErziehenUnter dem Dach des Bauernhauses waren wichtige Tätigkeiten räumlich vereint: Leben, Erwerbstätigkeit, Kindererziehung, Altenpflege etc. Diese Tätigkeiten ließen sich leidlich gut miteinander vereinbaren ("Multitasking").

Mit dem Beginn der Industriegesellschaft zerfiel die räumliche Einheit:die Erwerbstätigkeit wanderte in die Fabriken und Büros, die Kindererziehung und Altenpflege blieb im Wohnhaus. Damit entstand das bis heute nicht befriedigend gelöste Problem der "Vereinbarkeit von Familie und Beruf". Hohe Präsenz bei der Erwerbstätigkeit beschränkt die Kindererziehung (bzw. Altenpflege), hohe Präsenz bei den Kindern (bzw. Senioren) im Wohnhaus gefährdet die materielle Sicherheit (Erwerbsausfälle). Das "Multitasking" ist unmöglich geworden durch die räumliche Trennung.

Als Lösung bietet die Gesellschaft an, Funktionen der Familie zu übernehmen: Kindererziehung und -betreuung sowie die Bildung und Altenpflege kann in staatlich subventionierte Systeme ausgelagert werden. Allerdings sind diese Systeme weit davon entfernt, dem tatsächlichen Bedarf der Familien und ihrer Mitglieder zu entsprechen.

Noch weniger Bereitschaft besteht zu der komplementären Möglichkeit: Die Eltern von den Aufgaben der Existenzsicherung zu entlasten, damit sich diese auf ihre innerfamiliären Aufgaben konzentrieren können (z.B. durch Zahlung eines Erziehungsgehalts). Den Eltern solche Beträge (z.B. für Kindererziehung, Hausaufgabenbetreuung etc.) zu zahlen, wie sie die außerfamiliären Einrichtungen erhalten, ist weithin undenkbar und wird teils heftig abgelehnt.
Anstieg der LebenserwartungMit dem Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft ist die Lebenserwartung von ca. 40 auf knapp 80 Jahre angestiegen. Kindererziehung füllt also kein Leben mehr aus. Wer sich aber lange Zeit intensiv mit den eigenen Kinder beschäftigt, steht vor der Frage des Wieder-einstiegs in die Erwerbstätigkeit. Erziehungstätigkeiten in der Familie werden allgemein gering geschätzt und oft nicht einmal als Arbeit wahrgenommen. Entsprechend werden rückkehrwillige Eltern als gering qualifiziert eingestuft, weil sie jahrelang "nicht gearbeitet" hätten. Sowohl das Rückkehrproblem wie die geringe Wertschätzung der Erziehungsarbeit lassen es vielen jungen Paaren ratsam erscheinen, keine oder möglichst wenig Zeit für eigene Kinder zu verwenden.
Anstieg der Wähleranteils ohne unmittelbare ElternerfahrungenDer massive Anstieg der Lebenserwartung führt dazu, dass ein steigender Teil der Wähler der Lebensphase entwachsen ist, in der er mit minderjährigen Kindern im Haushalt lebt. Zudem steigt der Anteil der lebenslang kinderlosen Menschen. Beide Effekte führen dazu, dass immer weniger Wähler in Haushalten mit Kindern leben. Der Anteil fiel von 50% um 1950 auf unter 25% heute. Das hat Einfluss auf das Gewicht familienpolitscher Aspekte bei Wahlen und Abstimmungen (siehe auch: Wahlrecht für alle).
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